Moiners aus Kiel,
ich wurde darum gebeten, hier mal meine Vectrex-Kur zu dokumentieren. Ich habe mittlerweile 6 dieser Kisten komplett auf Vordermann gebracht und glaube dabei so ein wenig was mitgenommen zu haben,
was ich hier gerne an alle weitergeben möchte.
Zunächst ein paar kleinere Hinweise zu meiner Arbeit und meiner Person. Ich bin Hobbyist. Ich bin kein Profi! Da gibt's hier ganz andere Granaten. Wenn also irgendwelche IC's versagen, bin ich raus. Ich kann nicht mit einem Oszi um
und besitze so einen nicht mal. Ich bin außerdem ein furchtbarer Fotograf.
Zur Konsole selbst: Wir haben hier mit einem Röhrenmonitor zu tun und ja, da sollte man nicht wild dran rumfummeln. Deshalb beginnen wir mit dem ersten Schritt: Richtig entalden. Das ist unumgänglich. Es gibt keine Faustregel, wann die Kondensatoren sich
selbst entladen und schon tut's echt mal weh. So schnell sterben tut da aber keiner (sagte mir der Radio- und Fernsehtechniker meines Vertrauens... naja, außer mit Herzschrittmacher)
Zum Werkzeug. Es gibt ja bereits ein tolles Tutorial hier im Forum über die Vectrex Kur, ich möchte auch nur einen anderen Ansatz für diese doch recht empfindliche Konsole bieten. Es muss nicht sein, dass einem sämtliche Vias entgegen kommen. Man benötigt allerdings dafür auch das richtige Werkzeug
und Entlötlitze gehört in diesem Fall nicht dazu. Wir sollten alle Lötvorgänge möglichst kurz halten. Dafür arbeite ich mit recht hohen Temperaturen (380°) und einer großen Lötspitze wie diese:


Ich besitze nun wirklich kein High-End Kram, aber tut euch einen Gefallen und investiert in eine Entlötstation, wenn ihr sowas öfter macht. Ich habe die ZD-915, wirklich was billiges, aber es funktioniert tadellos. Wichtig ist, dass ihr verschiedene Aufsätze nutzt für die verschiedenen Größen der Kondensatoren. Auch beim Entlöten arbeite ich mit 380° am Vectrex.
Dafür sind die Lötvorgänge SEHR SEHR kurz. 2-3 Sekunden an den großen Kondensatoren maximal. Der Vorteil der gezeigten Lötspitze ist, dass sie sowohl für Flächen als auch kleine Vias geeignet ist, dank ihrer Form.
Außerdem ist es massiv wichtig, dass die Lötstellen vor dem Entlötten ausreichen neu verzinnt werden. Alles kein Hexenwerk
Also, erstmal die Kiste hinten aufschrauben. 5 Schrauben sollten es sein und schon könnt ihr die Rückseite abziehen. Wir konzentrieren unseren Blick auf diesen witzigen Saugnapf:

Entladen werden wir über diesen witzigen Saugnapf, oder Anodenkappe. Dazu benötigen wir einen langen Schlitzschraubenzieher und 'ne Messleitung mit Krokodilklemme.
Aber als erstes: Stecker aus der Steckdose! NICHT VERGESSEN!!! Messleitung an den Schraubenzieher, andere Seite an die obere, linke Ecke der Röhre - da hängt Ground! Jetzt
mit dem Schlitz vorsichtig unter die Anode und versuchen die Kontakte mit dem Schraubenzieher zu berühren. Finger weg vom Gehäuse, lediglich den Griff des Schraubenziehers gut halten und zusehen, dass
die Messleitung dran bleibt.
Das Ganze könnte dann in etwa so aussehen:

Das könnt ihr zur Sicherheit dann nach 5 Minuten ein zweites mal machen - das sollte aber reichen. Ran ans Demontieren.
Am Röhrenhals entfernen wir die kleine Platine, indem wir erstmal den Kabelbinder abknipsen und dann VORSICHTIG die Platine nach hinten abziehen.


Außerdem könnt ihr nun schon die gesteckten Verbindungen zwischen den zwei Platinen abziehen. Nun entfernen wir zunächst das fette Groundkabel an der Seite, frisch verzinnen nicht vergessen:


Direkt neben dem Groundkabelgeflechtgelötgedöns seht ihr rechts zwei rote Kabel außen und ein weißes in der Mitte, welche vom Switch kommen. Diese nah an der Lötstelle abknipsen. Ich habe hier keine Bilder gemacht aber das Entlöten dieser drei Lötpunkte geht am besten im ausgebauten Zustand, zumal ich alle
entfernten Kabel ohnehin neu abisoliere und verzinne. Großzügig verzinnen und absaugen.
Als nächstes wollen wir die 4 Kabel, welche zur Röhre gehen, entfernen. Hier ist etwas Feingefühl geboten. Am besten auch abknipsen und dann vorsichtig mit der Entlötpumpe absaugen. Hier besteht sonst die Gefahr, eine der Ösen abzureißen, die sind nicht sooooo stabil.

Wenn wir nicht schon jetzt alles zerstört haben und weinend in Fötusstellung in irgendeiner Zimmerecke liegen, sind wir nach Entfernung der Anodenkappe fast soweit, die Power Supply Platine zu entfernen. Zur Entfernung der Anodenkappe nehmen wir wieder den Schraubenzieher und drücken einen der beiden Haken raus, dann gehts ganz einfach:

So. Die Platine ist mit 2 Schräubchen befestigt, die erkennt ihr am roten Glibber. Einfach die Platine rausziehen und tadaaaa:

Zunächst machen wie uns an die großen Kondensatoren, vor denen man eigentlich keine Angst haben muss. Also, listen and repeat:
- Lötpunkte neu verzinnen, und zwar großzügig.
- richtigen Aufsatz für Entlötpumpe wählen. KEIN DRUCK AUSÜBEN.
- Entlötpumpe ansetzen, Zinn wird weich, Pumpe sackt bis auf dass Via, vorsichtige Kreisbewegung, absaugen.
- Sichtkontrolle: Ist noch was über? Dann wieder nachverzinnen und absaugen.
- Nichts mehr über aber schwergängig? Vorsichtig mit einer Zange von unten die Beinchen kreisförmig bewegen um den letzten kleinkram an Lot zu lösen.
Hier in Bildern:
Alt:
ganz viel neu:
ran mit der Pumpe:
absaugen:
reicht nicht, abermals neu verzinnen, Vorgang wiederholen:
etwas rütteln und zack:

Manchmal sind die großen Kondensatoren verklebt. Ist aber nichts festes, einfach abziehen. So geht das nun reihum! GEDULD ist hier echt wichtig. Mit dieser Technik sollten zumindest die kleinen Kondensatoren einfach rausfallen. Beim Einlöten der neuen Kondensatoren ausreichend, aber nicht zu viel
Zinn verwenden. Darauf achten, dass alle Lötstellen schön glänzen, sonst lauft ihr Gefahr, dass diese Kalt sind und/oder leicht brechen.
Wenn ihr eh schon dabei seid: Einfach mal ein paar empfindliche Stellen neu verzinnen, zum Beispiel rund um den Zeilentrafo...

Achtung! Unter dem Kühlblech sind zwei weitere Kondensatoren, wir müssen diesen also einmal kurz abnehmen (10 Schrauben, 6 unten, 2 oben, 2 seitlich an den Transistoren):

Ich entlöte beide Kondensatoren und bringe die Neuen auf der RÜCKSEITE an! Für spätere Reparaturen, falls nötig, ne feine Sache!
Außerdem entferne ich jetzt noch den Stecker für den Speaker, diesen verwende ich dann später wieder:

So, irgendwann haben wir dann alle Kondensatoren ausgetauscht, machen das dritte Bier auf und hoffen, dass wir keinen kompletten Müll fabriziert haben. Prost. Bei diesem Gerät waren alle 1000uF Kondensatoren aufgebläht, haben geleckt und die Vias angegriffen. Die sind dann leider abgegangen, was aber schlichtweg
nicht an der Methode, sondern an den Beschädigungen lag. Lässt sich aber bei den großen Vias sehr gut mit Draht reparieren.


So, ab ans CPU Board. Jetzt wirds noch mal richtig spaßig. Also, erstmal müssen wir wieder rumschrauben. Die beiden oberen Schrauben am Trafo, davon links mittig die Schrauben und die unter der Platine. Dann ziehen wir, nach entfernen des Knopfes für den Switch (vorne) das Ganze einfach raus. Ich habe
das nicht dokumentiert, denn wer nicht im Stande ist, 'ne Schraube zu lösen, sollte nicht an 'ner Vectrex fummeln.
Spaß beiseite, Ihr bekommt das schon hin! So, wenn ihr nun das Plastikgedöns samt Platine in den Patschehändchen haltet, ist die Platine selbst noch mal mit 4 oder 5 Schrauben befestigt. Diese auch abschrauben und nun vorsichtig die Platine vom Plastiksgestell lösen. Aber nur ein Stück, der Switch hängt nämlich am Trafo und am Resetknopf! Jetzt müssen wir erstmal den Switch und den Resetknopf entlöten. Ja, macht richtig Spaß! #Selbstgeißelung



So, die Platine ist nun frei, wie oben erklärt können hier nun erstmal die Kondensatoren ausgetauscht werden. Jetzt machen wir uns an den verhassten Powerswitch/Lautstärkeregler mit immer was ist. Aber keine Sorge...ich finde das gar nicht so wild. Achso, hier nicht zu sehen: 11er Mutter muss entfernt werden!
Wir fangen mit der Vorderseite an, sprich die Laustärkeregelung. Kleiner Schlitzschraubenzieher um die Ösen hochzuklappen und schon haben wir alles in der Hand:



Jetzt heißt es raus mit dem Sprit und schön wischiwaschi machen. Isopropanol und Q-Tip als Mittel der Wahl wirkt hier wunder. Mehr gibt's hier nicht zu erklären. Achtet einfach darauf wie alles in euren Händen zerbröselt ist und baut es genau so wieder zurückt, ist auch nicht schwerer als ein Ü-Ei Bausatz!
So, wenn ihr dies nun bewerkstelligt habt, kommt der etwas...nervige Teil! Die Rückseite, der eigentliche Switch und der Grund, weshalb die Kiste gar nicht oder erst sehr spät anspringt. Mit einem Multimeter ist das übrigens einfach getestet: Wenn der Switch auf on Steht, sollten die Kontakte Durchgang haben zwischen Trafo und Power Supply PCB und ca 11,4v AC durchgeben. Die könnt ihr wiederum gegen das weiße Kabel messen. Der Switch versifft von innen so dermaßen, dass ihr zwar schaltet ab im Inneren schlichtweg NICHTS passiert. So, aufmachen -



Die drei Ösen wieder hochbiegen und schon sehen wir das Innenleben. Dieses kleine Plastikteil soll dann die Kontakte nach oben drücken und so Kontakt herstellen. In diesem Fall hat sich da gar nichts getan. Also, WD40, Isopropanol und ab in die Küche. Ich habe das gesamte Teil erstmal in WD40 ertränkt und die Kontakte kontinuierlich bis zur Leichtgängigkeit
bewegt. Anschließend habe ich das arme Ding in Isopropanol ertränkt um noch mal alles sauber zu kriegen. Anschließen kann man schmieren...weiß aber nicht ob das wirklich nötig ist nach einer Reinigung. Ich habe dann noch mit einem kleinen Schraubenzieher etwas an den Kontaktplättchen gekratzt um mögliche Korrosion zu entfernen.


So, frickelig ist der Zusammenbau, aber ich mag meine Methode.
Wir legen die Rückseite auf den Tisch, legen dort das weiße Plätchen ein. Anschließend legen wir das braune Plastikteil und dann das Metalteil samt Feder ein. Das ganze hält von sich aus. Nun sorgen wir dasfür, dass der Switch auf "aus" gedreht ist und können mit etwas Geschickt beide Teile zusammenfriemeln. Bevor wir nun die Ösen verschließen, machen wir mit unserem
Multimeter noch mal einen Durchgangstest! Sonst war das alles für die Katz. Wenn es nicht piept, habt ihr versagt, also noch mal.
So, wenn das dann endlich mal alles soweit ist, könnt ihr den Switch wieder einlöten. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass wir bereits die Kondensatoren auf dem CPU Board ausgetauscht haben. Jetzt bereiten wir den Buzz Mod vor.
Wir brauchen für die Amp Platine 5v und Ground. Hier bitte, Da:



So, zum Anschluss: Wir benutzen für den Speaker den originalen Connector von der Power PCB. Den schrauben wir am Amp fest. Für die Verbindung zwischen
der CPU und dem Amp benutze ich persönlich das originale Kabel, das passt nämlich so schön auf den 4 pin Amp connector, an dem auch 5v und Ground hängen. Einfach draufstecken und anschließend kommt es lediglich auf die korrekte Verlegung des Kabels an um Interferenzen zu vermeiden.
Ist etwas frickelig und sollte im angeschalteten Zustand gemacht werden. Man kann auch völlig ausrasten und koaxiale, bis zum Mond abgeschirmte Kabel nutzen, um damit zum Mars zu fliegen. Geht auch. Hab ich in meiner Vectrex...der unterschied ist gering. Mit diesem Amp bin ich auf eine Reduktion von wahrgenommenen 95% des "buzzings" gekommen. Nicht 100%. Ein wenig Buzz kommt auch auch von der Röhre selbst. Da können wir nichts machen!
Joa, eigentlich kann der Kasten jetzt dann auch wieder zurück und wir schließen sämtliche Kabel sauber wieder an. Natürlich neu verzinnt und alle Kontakte ordentlich entlötet und gereinigt, soll ja für die nächsten 30 Jahre halten.
Prinzipiell war es das, technisch gesehen....jetzt kann man sich noch an die Justage des Bildes machen. Erstmal gucken ob der Kasten noch geht. Geht? Cool! Freut mich. Geht nicht? Tja, hättest mir mal den Kasten geschickt... ne, guck mal nach verdrehten Elkos, schlechten Verbindungen etc etc etc. aber ja... da geht die ewige Suche los.
So, zur Justage des Bildes will ich nicht so viel sagen, die ist komplett im Service Manual dokumentiert. Ihr benötigt dafür auch die Test Cart, enthalten auf der Multi Cart.
Boah ich kann nicht mehr. Ich glaube, dass sollte es so im Groben sein.
Mir macht der Job ehrlich gesagt im Gegensatz zu Wolfgang sehr viel Spaß, also immer her mit den Kisten.
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ich wurde darum gebeten, hier mal meine Vectrex-Kur zu dokumentieren. Ich habe mittlerweile 6 dieser Kisten komplett auf Vordermann gebracht und glaube dabei so ein wenig was mitgenommen zu haben,
was ich hier gerne an alle weitergeben möchte.
Zunächst ein paar kleinere Hinweise zu meiner Arbeit und meiner Person. Ich bin Hobbyist. Ich bin kein Profi! Da gibt's hier ganz andere Granaten. Wenn also irgendwelche IC's versagen, bin ich raus. Ich kann nicht mit einem Oszi um
und besitze so einen nicht mal. Ich bin außerdem ein furchtbarer Fotograf.
Zur Konsole selbst: Wir haben hier mit einem Röhrenmonitor zu tun und ja, da sollte man nicht wild dran rumfummeln. Deshalb beginnen wir mit dem ersten Schritt: Richtig entalden. Das ist unumgänglich. Es gibt keine Faustregel, wann die Kondensatoren sich
selbst entladen und schon tut's echt mal weh. So schnell sterben tut da aber keiner (sagte mir der Radio- und Fernsehtechniker meines Vertrauens... naja, außer mit Herzschrittmacher)
Zum Werkzeug. Es gibt ja bereits ein tolles Tutorial hier im Forum über die Vectrex Kur, ich möchte auch nur einen anderen Ansatz für diese doch recht empfindliche Konsole bieten. Es muss nicht sein, dass einem sämtliche Vias entgegen kommen. Man benötigt allerdings dafür auch das richtige Werkzeug
und Entlötlitze gehört in diesem Fall nicht dazu. Wir sollten alle Lötvorgänge möglichst kurz halten. Dafür arbeite ich mit recht hohen Temperaturen (380°) und einer großen Lötspitze wie diese:
Ich besitze nun wirklich kein High-End Kram, aber tut euch einen Gefallen und investiert in eine Entlötstation, wenn ihr sowas öfter macht. Ich habe die ZD-915, wirklich was billiges, aber es funktioniert tadellos. Wichtig ist, dass ihr verschiedene Aufsätze nutzt für die verschiedenen Größen der Kondensatoren. Auch beim Entlöten arbeite ich mit 380° am Vectrex.
Dafür sind die Lötvorgänge SEHR SEHR kurz. 2-3 Sekunden an den großen Kondensatoren maximal. Der Vorteil der gezeigten Lötspitze ist, dass sie sowohl für Flächen als auch kleine Vias geeignet ist, dank ihrer Form.
Außerdem ist es massiv wichtig, dass die Lötstellen vor dem Entlötten ausreichen neu verzinnt werden. Alles kein Hexenwerk
Also, erstmal die Kiste hinten aufschrauben. 5 Schrauben sollten es sein und schon könnt ihr die Rückseite abziehen. Wir konzentrieren unseren Blick auf diesen witzigen Saugnapf:
Entladen werden wir über diesen witzigen Saugnapf, oder Anodenkappe. Dazu benötigen wir einen langen Schlitzschraubenzieher und 'ne Messleitung mit Krokodilklemme.
Aber als erstes: Stecker aus der Steckdose! NICHT VERGESSEN!!! Messleitung an den Schraubenzieher, andere Seite an die obere, linke Ecke der Röhre - da hängt Ground! Jetzt
mit dem Schlitz vorsichtig unter die Anode und versuchen die Kontakte mit dem Schraubenzieher zu berühren. Finger weg vom Gehäuse, lediglich den Griff des Schraubenziehers gut halten und zusehen, dass
die Messleitung dran bleibt.
Das Ganze könnte dann in etwa so aussehen:
Das könnt ihr zur Sicherheit dann nach 5 Minuten ein zweites mal machen - das sollte aber reichen. Ran ans Demontieren.
Am Röhrenhals entfernen wir die kleine Platine, indem wir erstmal den Kabelbinder abknipsen und dann VORSICHTIG die Platine nach hinten abziehen.
Außerdem könnt ihr nun schon die gesteckten Verbindungen zwischen den zwei Platinen abziehen. Nun entfernen wir zunächst das fette Groundkabel an der Seite, frisch verzinnen nicht vergessen:
Direkt neben dem Groundkabelgeflechtgelötgedöns seht ihr rechts zwei rote Kabel außen und ein weißes in der Mitte, welche vom Switch kommen. Diese nah an der Lötstelle abknipsen. Ich habe hier keine Bilder gemacht aber das Entlöten dieser drei Lötpunkte geht am besten im ausgebauten Zustand, zumal ich alle
entfernten Kabel ohnehin neu abisoliere und verzinne. Großzügig verzinnen und absaugen.
Als nächstes wollen wir die 4 Kabel, welche zur Röhre gehen, entfernen. Hier ist etwas Feingefühl geboten. Am besten auch abknipsen und dann vorsichtig mit der Entlötpumpe absaugen. Hier besteht sonst die Gefahr, eine der Ösen abzureißen, die sind nicht sooooo stabil.
Wenn wir nicht schon jetzt alles zerstört haben und weinend in Fötusstellung in irgendeiner Zimmerecke liegen, sind wir nach Entfernung der Anodenkappe fast soweit, die Power Supply Platine zu entfernen. Zur Entfernung der Anodenkappe nehmen wir wieder den Schraubenzieher und drücken einen der beiden Haken raus, dann gehts ganz einfach:
So. Die Platine ist mit 2 Schräubchen befestigt, die erkennt ihr am roten Glibber. Einfach die Platine rausziehen und tadaaaa:
Zunächst machen wie uns an die großen Kondensatoren, vor denen man eigentlich keine Angst haben muss. Also, listen and repeat:
- Lötpunkte neu verzinnen, und zwar großzügig.
- richtigen Aufsatz für Entlötpumpe wählen. KEIN DRUCK AUSÜBEN.
- Entlötpumpe ansetzen, Zinn wird weich, Pumpe sackt bis auf dass Via, vorsichtige Kreisbewegung, absaugen.
- Sichtkontrolle: Ist noch was über? Dann wieder nachverzinnen und absaugen.
- Nichts mehr über aber schwergängig? Vorsichtig mit einer Zange von unten die Beinchen kreisförmig bewegen um den letzten kleinkram an Lot zu lösen.
Hier in Bildern:
Alt:
ganz viel neu:
ran mit der Pumpe:
absaugen:
reicht nicht, abermals neu verzinnen, Vorgang wiederholen:
etwas rütteln und zack:
Manchmal sind die großen Kondensatoren verklebt. Ist aber nichts festes, einfach abziehen. So geht das nun reihum! GEDULD ist hier echt wichtig. Mit dieser Technik sollten zumindest die kleinen Kondensatoren einfach rausfallen. Beim Einlöten der neuen Kondensatoren ausreichend, aber nicht zu viel
Zinn verwenden. Darauf achten, dass alle Lötstellen schön glänzen, sonst lauft ihr Gefahr, dass diese Kalt sind und/oder leicht brechen.
Wenn ihr eh schon dabei seid: Einfach mal ein paar empfindliche Stellen neu verzinnen, zum Beispiel rund um den Zeilentrafo...
Achtung! Unter dem Kühlblech sind zwei weitere Kondensatoren, wir müssen diesen also einmal kurz abnehmen (10 Schrauben, 6 unten, 2 oben, 2 seitlich an den Transistoren):
Ich entlöte beide Kondensatoren und bringe die Neuen auf der RÜCKSEITE an! Für spätere Reparaturen, falls nötig, ne feine Sache!
Außerdem entferne ich jetzt noch den Stecker für den Speaker, diesen verwende ich dann später wieder:
So, irgendwann haben wir dann alle Kondensatoren ausgetauscht, machen das dritte Bier auf und hoffen, dass wir keinen kompletten Müll fabriziert haben. Prost. Bei diesem Gerät waren alle 1000uF Kondensatoren aufgebläht, haben geleckt und die Vias angegriffen. Die sind dann leider abgegangen, was aber schlichtweg
nicht an der Methode, sondern an den Beschädigungen lag. Lässt sich aber bei den großen Vias sehr gut mit Draht reparieren.
So, ab ans CPU Board. Jetzt wirds noch mal richtig spaßig. Also, erstmal müssen wir wieder rumschrauben. Die beiden oberen Schrauben am Trafo, davon links mittig die Schrauben und die unter der Platine. Dann ziehen wir, nach entfernen des Knopfes für den Switch (vorne) das Ganze einfach raus. Ich habe
das nicht dokumentiert, denn wer nicht im Stande ist, 'ne Schraube zu lösen, sollte nicht an 'ner Vectrex fummeln.
Spaß beiseite, Ihr bekommt das schon hin! So, wenn ihr nun das Plastikgedöns samt Platine in den Patschehändchen haltet, ist die Platine selbst noch mal mit 4 oder 5 Schrauben befestigt. Diese auch abschrauben und nun vorsichtig die Platine vom Plastiksgestell lösen. Aber nur ein Stück, der Switch hängt nämlich am Trafo und am Resetknopf! Jetzt müssen wir erstmal den Switch und den Resetknopf entlöten. Ja, macht richtig Spaß! #SelbstgeißelungSo, die Platine ist nun frei, wie oben erklärt können hier nun erstmal die Kondensatoren ausgetauscht werden. Jetzt machen wir uns an den verhassten Powerswitch/Lautstärkeregler mit immer was ist. Aber keine Sorge...ich finde das gar nicht so wild. Achso, hier nicht zu sehen: 11er Mutter muss entfernt werden!
Wir fangen mit der Vorderseite an, sprich die Laustärkeregelung. Kleiner Schlitzschraubenzieher um die Ösen hochzuklappen und schon haben wir alles in der Hand:
Jetzt heißt es raus mit dem Sprit und schön wischiwaschi machen. Isopropanol und Q-Tip als Mittel der Wahl wirkt hier wunder. Mehr gibt's hier nicht zu erklären. Achtet einfach darauf wie alles in euren Händen zerbröselt ist und baut es genau so wieder zurückt, ist auch nicht schwerer als ein Ü-Ei Bausatz!
So, wenn ihr dies nun bewerkstelligt habt, kommt der etwas...nervige Teil! Die Rückseite, der eigentliche Switch und der Grund, weshalb die Kiste gar nicht oder erst sehr spät anspringt. Mit einem Multimeter ist das übrigens einfach getestet: Wenn der Switch auf on Steht, sollten die Kontakte Durchgang haben zwischen Trafo und Power Supply PCB und ca 11,4v AC durchgeben. Die könnt ihr wiederum gegen das weiße Kabel messen. Der Switch versifft von innen so dermaßen, dass ihr zwar schaltet ab im Inneren schlichtweg NICHTS passiert. So, aufmachen -
Die drei Ösen wieder hochbiegen und schon sehen wir das Innenleben. Dieses kleine Plastikteil soll dann die Kontakte nach oben drücken und so Kontakt herstellen. In diesem Fall hat sich da gar nichts getan. Also, WD40, Isopropanol und ab in die Küche. Ich habe das gesamte Teil erstmal in WD40 ertränkt und die Kontakte kontinuierlich bis zur Leichtgängigkeit
bewegt. Anschließend habe ich das arme Ding in Isopropanol ertränkt um noch mal alles sauber zu kriegen. Anschließen kann man schmieren...weiß aber nicht ob das wirklich nötig ist nach einer Reinigung. Ich habe dann noch mit einem kleinen Schraubenzieher etwas an den Kontaktplättchen gekratzt um mögliche Korrosion zu entfernen.
So, frickelig ist der Zusammenbau, aber ich mag meine Methode.
Wir legen die Rückseite auf den Tisch, legen dort das weiße Plätchen ein. Anschließend legen wir das braune Plastikteil und dann das Metalteil samt Feder ein. Das ganze hält von sich aus. Nun sorgen wir dasfür, dass der Switch auf "aus" gedreht ist und können mit etwas Geschickt beide Teile zusammenfriemeln. Bevor wir nun die Ösen verschließen, machen wir mit unserem
Multimeter noch mal einen Durchgangstest! Sonst war das alles für die Katz. Wenn es nicht piept, habt ihr versagt, also noch mal.
So, wenn das dann endlich mal alles soweit ist, könnt ihr den Switch wieder einlöten. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass wir bereits die Kondensatoren auf dem CPU Board ausgetauscht haben. Jetzt bereiten wir den Buzz Mod vor.
Wir brauchen für die Amp Platine 5v und Ground. Hier bitte, Da:
So, zum Anschluss: Wir benutzen für den Speaker den originalen Connector von der Power PCB. Den schrauben wir am Amp fest. Für die Verbindung zwischen
der CPU und dem Amp benutze ich persönlich das originale Kabel, das passt nämlich so schön auf den 4 pin Amp connector, an dem auch 5v und Ground hängen. Einfach draufstecken und anschließend kommt es lediglich auf die korrekte Verlegung des Kabels an um Interferenzen zu vermeiden.
Ist etwas frickelig und sollte im angeschalteten Zustand gemacht werden. Man kann auch völlig ausrasten und koaxiale, bis zum Mond abgeschirmte Kabel nutzen, um damit zum Mars zu fliegen. Geht auch. Hab ich in meiner Vectrex...der unterschied ist gering. Mit diesem Amp bin ich auf eine Reduktion von wahrgenommenen 95% des "buzzings" gekommen. Nicht 100%. Ein wenig Buzz kommt auch auch von der Röhre selbst. Da können wir nichts machen!
Joa, eigentlich kann der Kasten jetzt dann auch wieder zurück und wir schließen sämtliche Kabel sauber wieder an. Natürlich neu verzinnt und alle Kontakte ordentlich entlötet und gereinigt, soll ja für die nächsten 30 Jahre halten.
Prinzipiell war es das, technisch gesehen....jetzt kann man sich noch an die Justage des Bildes machen. Erstmal gucken ob der Kasten noch geht. Geht? Cool! Freut mich. Geht nicht? Tja, hättest mir mal den Kasten geschickt... ne, guck mal nach verdrehten Elkos, schlechten Verbindungen etc etc etc. aber ja... da geht die ewige Suche los.
So, zur Justage des Bildes will ich nicht so viel sagen, die ist komplett im Service Manual dokumentiert. Ihr benötigt dafür auch die Test Cart, enthalten auf der Multi Cart.
Boah ich kann nicht mehr. Ich glaube, dass sollte es so im Groben sein.
Mir macht der Job ehrlich gesagt im Gegensatz zu Wolfgang sehr viel Spaß, also immer her mit den Kisten.
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