"Vorwort"
Im Laufe der Geschichte des Atari ST(E)‘s wurde das TOS (The Operating System oder auch Tramiel Operating System) stetig weiterentwickelt und verbessert. Demnach ist es sinnvoll, im eigenen Atari das jeweils aktuellste TOS verbaut zu haben (ST = TOS 1.04; STE = 2.06).
Bei TOS 2.06 wurde bspw. die Unterstützung von HD-Floppy-Laufwerken eingeführt, was gerade in Bezug auf eventuell defekte Disk Drives eine interessante Option darstellt, da somit PC-Laufwerke einfach im STE eingesetzt werden können.
Da ich selber keinen ST besitze, werde ich mich im Tutorial primär auf das Upgrade des STE‘s beziehen. Der Umbau ist bei den ST-Maschinen aber nahezu identisch (THX! an @YuT666 für die Bilder vom STFM-Umbau
).
Was wird benötigt?:
Und wir beginnen.
Schritt 1 - Eingebautes TOS identifizieren
Zunächst solltet ihr herausfinden, welches TOS in eurem Rechner verbaut ist. Habt ihr bspw. einen STE und euer Bootscreen sieht so aus ...

... verfügt euer Gerät bereits über das offiziell aktuellste TOS und ein Upgrade ist nicht notwendig.
Habt ihr einen ST, müsst ihr nach dem Starten über "DESK" --> "Desktop Info..." schauen, wie das Infofenster aussieht. Habt ihr ein animiertes, regenbogenfarbenes Atari-Logo, sollte eurer Rechner bereits mit dem aktuellsten TOS 1.04 ("Rainbow TOS") ausgestattet sein.

Aber Achtung! Atari hat es aus irgendeinem Grund nie geschafft, die Versionsnummern in den Infoscreen einzufügen. Bei STE-Maschinen kann das regenbogenfarbene Logo bspw. auch für TOS 1.06 oder 1.62 stehen (alle haben genau den gleichen Screen).
Wenn ihr also herausbekommen wollt, welches TOS genau in eurem Rechner verbaut ist, müsst ihr ihn aufschrauben.
Nehmt dazu den Atari vom Strom (ab besten den Ein-/Ausschalter noch 2x im stromlosen Zustand betätigen) und entfernt die 7 Gehäuseschrauben in den runden Aussparungen auf der Unterseite des Gerätes. Die 3 M3-Schrauben in den rechteckigen Löchern (Floppyhalterung) können, falls vorhanden, ebenfalls gleich gelöst werden.
Danach könnt ihr den Atari herumdrehen und die Oberschale abnehmen.
Beim STE müssen jetzt nur noch das Schirmungsblech des Floppy Drives (2 Schrauben) sowie das Laufwerk selbst entfernt werden (IDE- und Powerkabel abziehen).
Beim ST muss hingegen das gesamte obere Schirmungsblech entfernt werden.
Beim STE biete sich euch danach ungefähr dieser Anblick:

Auf den beiden mit "HI" und "LO" markierten TOS-Chips stehen Seriennummern. Mit diesen könnt ihr bspw. über diese Seite oder diese Seite herausbekommen, welches TOS in eurem ST oder STE aktuell installiert ist.
Allerdings sind die Listen nicht vollständig. Meine Nummern (C301179-001A und C301180-001A) sind bspw. nicht gelistet. Ich gehe aber davon aus, dass es sich um TOS 1.62 handelt.
Update:
Alternativ hilft eventuell auch das Programm SysInfo weiter (lokale Sicherung im CiBo: SYSINFO-v8.34.zip). Eine *.st-Variante (bspw. für ein GOTEK-Laufwerk) findet sich bspw. im "Disk-Paket" ModSysInfo2 (lokale Sichering im CiBo: ModSysInfo2.zip).
Schritt 2 - TOS-File splitten und brennen
Wenn ihr festgestellt habt, dass es eine bessere TOS-Version für euer System gibt, macht ihr euch im WWW danach auf die Suche (zur Erinnerung: offiziell aktuellste Version für ST = 1.04; offiziell aktuellste Version für STE = 2.06). Wichtig ist, dass die Datei im *.img-Format vorliegt.
Diese Datei muss nun passend für die EPROMS aufgesplittet werden. Dies funktioniert mit dem Programm "Romsplit", welches aber für die Atari-Umgebung geschrieben wurde und somit auf dem PC nicht sofort ausgeführt werden kann.
Daher muss zuvor noch ein Atari Emulator auf dem PC installiert werden (ich habe mich für "Hatari" entschieden).
Nachdem ihr Hatari auf dem PC installiert habt, entpackt ihr die 3 Dateien aus dem Romsplit-Archiv in einen neuen Ordner und legt ihn bspw. unter C:\ ab (andere Pfade sind natürlich möglich).
Danach kopiert ihr die TOS-Datei (*.img) 1x direkt ins Hatari-Verzeichnis und 1x direkt in den Romsplit-Ordner (auch hier sind andere Pfade möglich).
Führt danach Hatari aus. Den Emulator müssen wir nun konfigurieren. Drückt dazu die Taste F12, um das Hauptmenü aufzurufen.

Um auszuwählen, welche Maschine ihr emulieren wollt, klickt ihr zuerst den Button "System" an. Danach könnt ihr bspw. "ST" oder "STE" wählen (ich habe "STE" gewählt, weil ich meinen STE upgraden möchte).

Klickt nun auf "Back to main menu". Als nächstes wollen wir das TOS für den Emulator auswählen (somit kann man gleich testen, ob die *.img-Datei auch funktioniert
). Klickt dazu auf den Button "ROM". Es öffnet sich folgender Dialog:

Klickt bei "TOS setup" auf "Browse" und sucht das gewünschte TOS-File in eurem Hatari-Ordner. Klickt erneut auf "Back to main menu" und wählt nun noch den Button "Hard disks" aus. Klickt bei "GEMDOS drive:" auf "Browse" und sucht euren Romsplit-Ordner (Tipp: Wenn ihr oben rechts auf "Root" klickt, landet ihr gleich auf C:\
).

Klickt wieder auf "Back to main menu" und speichert eure Konfiguration, indem ihr "Save config" auswählt.
Im neuen Dialogfenster sollte bereits eine Datei namens "hatari.cfg" existieren und als Pfad sollte der Ordner von Hatari angegeben sein (falls nicht, einfach anlegen). Bestätigt den Dialog mit "OK" und ihr kommt ins Hauptmenü zurück.
Dort wählen wir "Reset machine" aus und bestätigen erneut mit "OK".

Nun dauert es ein klein wenig, bis der Emulator neustartet. Danach solltet ihr den bekannten, grünen Bildschirm sehen (Tipp: Der Memory Test bei TOS 2.06 kann durch das Drücken der Enter-Taste, wie beim "richtigen" Atari, abgebrochen werden.
).

Jetzt Maximieren wir das Emulatorfenster zum Vollbild und klicken danach auf den Menüpunkt "Extras" --> "Voreinstellungen...".
Dort stellen wir die Auflösung auf "ST MITTEL" um (falls das nicht schon der Fall ist) und bestätigen auch diesen Dialog mit "OK". Wenn die Auflösung geändert wurde, kann es kurz dauern, bis das System die Umstellung vorgenommen hat (der Bildschirm wird dabei weiß).
Das Ändern der Auflösung auf "ST MITTEL" ist deshalb notwendig, weil man sonst später beim Programm Romsplit nicht alle Optionen im Emulator sehen würde.

Klickt nun das Desktop Icon "HARD DISK" an. Jetzt sollte der Inhalt des Romsplit-Ordners angezeigt werden (das haben wir ja vorher so konfiguriert). Klickt hier doppelt auf die Datei "ROMSPLI2.PRG" und führt das Programm aus.

Links könnt ihr nun unter "Split in:" auswählen, in wie viele Teile eure *.img-Datei zerlegt werden soll (STE immer 2; ST entweder 2 oder 6 --> siehe oben oder Schritt 3).

Auf der rechten Seite könnt ihr über "LOAD IMAGE FILE" eure TOS-Datei im Romsplit-Ordner auswählen.

Bestätigt den Dialog danach mit "OK". Falls ihr TOS 2.06 verwenden wollt (nur STE), solltet ihr zur Sicherheit noch auf "Fix CRC for TOS 2.06" klicken.
Klickt danach auf "SPLIT !" und dann auf "E X I T".

Das Programm Romsplit wird beendet und anschließend solltet ihr auf eurem PC im Romsplit-Ordner die gesplitteten Dateien finden. Im Beispiel sind "TOS206DE.HI" und " TOS206DE.DE" zu sehen.

Schließt jetzt den Emulator, indem ihr bspw. die Taste F12 drückt und dort "Quit" auswählt.
Danach könnt ihr die gesplitteten Dateien mit dem Programmer eurer Wahl direkt auf die EPROMS brennen. Markiert aber unbedingt, welcher Chip welchen Teil enthält, damit ihr sie später auch an der richtigen Stelle im Atari einsetzen könnt.
Schritt 3 - EPROMS im Atari einsetzen
Atari STE
Wenn ihr beim Atari STE bereits nachgeschaut habt, welche Seriennummern auf den TOS-Chips stehen (siehe Schritt 1), könntet ihr theoretisch gleich die Chips austauschen. Je nach verwendeten EPROMS müssen aber noch die Jumperpads "W102", "W103" und "W104" angepasst werden.

Quelle: matsp888.no-ip.org/~mats/Text/…20Guide/html/inst_ste.htm
Dies kann man "quick & dirty" erledigen, indem man die "Pseudowiderstände", welche nur als Jumper dienen, mit einem Seitenschneider abknipst und die entsprechenden Lötpunkte mit Lötzinn brückt.
Vergesst beim Herausnehmen der riginalen TOS-Chips nicht, euch deren Positionen ("HI" oder "LO") zu markieren, damit ihr sie eventuell später wiederverwenden könnt!
Wenn ihr HD-Floppylaufwerke verwenden möchtet, müsst ihr noch eine Lötbrücke bei "E6" setzen (grüne Markierung).

Ich wollte aber eine "saubere Lösung" mit Stiftleisten und entsprechenden Jumpern, weshalb ich den etwas längeren Weg gegangen bin.
Dazu muss der STE zunächst weiter demontiert werden.
Entfernt die Tastatur, indem ihr vorsichtig den Stecker vom Mainboard abzieht.
Als nächstes ist das Schirmungsblech über dem Netzteil (ACHTUNG Hochspannung!) an der Reihe. "Begradigt" vorsichtig die 2 Metallhaken und löst die 3 schwarzen und 4 silbernen Schrauben. Danach könnt ihr das Blech abnehmen.
Entfernt nun die 4 Schrauben, die von der Tastatur verdeckt wurden (inklusive dem ganz kleinen Schirmungsblech).
Jetzt löst ihr die 2 Schrauben, die das Netzteil inklusive "Traverse" auf dem Mainboard halten (siehe grüne Markierungen) und zieht die Steckerverbindung zum Mainboard ab. Die 4 Schrauben von der Netzteilplatine müssen nicht zwingend gelöst werden!

Jetzt könnt ihr das Innenleben des Ataris an der "Tastaturseite" vorsichtig nach oben kippen und aus der unteren Gehäuseschale nehmen.
Nun müsst ihr die insgesamt 6 Sechskantschrauben vom Modem-, Drucker- und Festplattenanschluss auf der Rückseite lösen und danach das glänzende Blech vorsichtig abziehen.
Löst zudem die 2 Schrauben vom Netzstecker.
Zum Schluss müsst ihr noch die 10 Metallhaken bei den Schirmungsblechen vorsichtig "begradigen". Dann könnt ihr das obere, große Blech abnehmen und das Mainboard vom unteren Blech trennen.
Über die Unterseite des Mainboards könnt ihr jetzt problemlos die "Pseudowiderstände" bei den Jumperpads auslöten, die Jumperpads von Lötzinn befreien und anschließend die drei 1x3 Stiftleisten einlöten.
Die "saubere Variante" bietet zudem den Vorteil, dass man einfacher an die originalen TOS-Chips herankommt und sie vorsichtig mit einem schmalen Schlitzschraubendreher aus den Sockeln hebeln kann.
Vergesst vor dem Zusammenbau nicht, die Jumper (siehe oben) zu setzen und gleich noch die Lötbrücke bei "E6" (siehe "quick & dirty Variante") zu setzen, wenn ihr HD-Floppys verwenden wollt.


Ist alles erledigt, könnt ihr den Atari STE wieder ins Gehäuse setzen und einen Testlauf starten.
Funktioniert alles, könnt ihr ihn wieder verschließen.
Übrigens: Solltet ihr keinen HD-Floppy-Support haben wollen und euer DD-Laufwerk hört sich jetzt seltsam an, könnt ihr bspw. das Programm "HD_FDC" (lokale Sicherung im Board: hd_fdc.zip) oder "Setseek" (lokale Sicherung im Board: setseek.zip) im "Auto-Ordner" ablegen. Somit wird die Standard-Schrittrate von TOS 2.06 (6ms) wieder auf den ursprünglichen Wert von 3ms zurückgesetzt.
Fertig!
Atari ST
Beim Atari ST muss das obere, große Schirmungsblech entfernt werden, um an die TOS-Chips zu gelangen. Die Demontage verläuft ähnlich wie beim STE. Sollten die originalen TOS-Bausteine nicht gesockelt sein oder der Chip bei U68 fehlen (siehe unten), muss man auch hier an die Unterseite ran, um die TOS-Chips auslöten und/oder das "Triple 3-Input AND Gate" einsetzen zu können. Ansonste spielt sich alles auf der Oberseite des Boards ab.
Wie eingangs bereits erwähnt, können in ST-Geräten, bei denen die TOS-Steckplätze in einer Reihe angeordnet sind, auch 32Pin-EPROMS in die 28Pin-Sockel gesteckt werden (Bei ST-Maschinen, bei denen die Steckplätze in einer 2x3-Anordnung vorhanden sind, bin ich mir, wie gesagt, nicht sicher, weshalb ich hier eher die Verwendung von 6 konventionellen 28Pin-EPROMS 256 Kbit (32K x 8 ) empfehlen würde.).
Allerdings müssen dazu die 32Pin-EPROMS, wie in der folgenden Grafik zu sehen, mit ein wenig Lötlitze anders verschaltet und entsprechend im Atari eingesetzt werden:

Sollten zuvor in den 6 Steckplätzen tatsächlich 6 originale TOS-Bausteine vorhanden gewesen sein (meistens sind es aber nur 2), müssen die 3 Jumperpads "A16", "A17" und "CE" ("CE" ist neben der quadratischen "Memory-Management-Unit" U56 oder auf dem Board links unten neben U68 zu finden) von "256K" auf "1M" umgelötet werden (vergesst nicht, euch die Positionen der originalen Chips zu markieren, damit ihr sie eventuell später wiederverwenden könnt!).
Des Weiteren sollte dann auch ein Chip bei U68 (neben der "Memory-Management-Unit", oder links unten auf dem Mainboard) vorhanden sein. Ist dies nicht der Fall, muss auf diesem Platz zusätzlich noch ein "Triple 3-Input AND Gate" 74LS11 (DIP 14) eingelötet werden.

Wie gesagt, alternativ können auch einfach sechs 28Pin-EPROMS verwendet werden. Dabei ist lediglich darauf zu achten, dass bei allen 3 Jumpern die Lötbrücke auf 256K liegt.
Nach dem Umbau könnt ihr euren ST ggf. wieder zurück ins Gehäuse setzen und einen Testlauf starten.
Funktioniert alles, könnt ihr ihn wieder verschließen.


(Auch) Fertig!
Bei Fragen etc. schreibt einfach ins Forum ...
Im Laufe der Geschichte des Atari ST(E)‘s wurde das TOS (The Operating System oder auch Tramiel Operating System) stetig weiterentwickelt und verbessert. Demnach ist es sinnvoll, im eigenen Atari das jeweils aktuellste TOS verbaut zu haben (ST = TOS 1.04; STE = 2.06).
Bei TOS 2.06 wurde bspw. die Unterstützung von HD-Floppy-Laufwerken eingeführt, was gerade in Bezug auf eventuell defekte Disk Drives eine interessante Option darstellt, da somit PC-Laufwerke einfach im STE eingesetzt werden können.
Da ich selber keinen ST besitze, werde ich mich im Tutorial primär auf das Upgrade des STE‘s beziehen. Der Umbau ist bei den ST-Maschinen aber nahezu identisch (THX! an @YuT666 für die Bilder vom STFM-Umbau
Was wird benötigt?:
- 2 leere 32Pin-EPROMS 1Mbit (128K x 8 ) mit einer Zugriffszeit von 120 bis 150ns; bspw. TMS27C010A
(Wichtig ist, dass "A16" auf Pin2 und "/OE" auf Pin24 liegen. Alternative EPROMS sind unter Schritt 3 aufgelistet.
Die 32Pin-EPROMS können auch "mittels Modifikation" für ST-Geräte verwendet werden, bei denen die TOS-Steckplätze in einer Reihe angeordnet sind (siehe ebenfalls Schritt 3).
Bei ST-Maschinen, bei denen die Steckplätze in einer 2x3-Anordnung vorhanden sind, bin ich mir allerdings nicht sicher, weshalb ich hier eher die Verwendung von 6 konventionellen 28Pin-EPROMS 256 Kbit (32K x 8 ) empfehlen würde. EDIT: bei User YuT666 hat es auch mit 2 EPROMS funktioniet), - passender Programmer zum Beschreiben der EPROMS,
- gewünschtes TOS als *.img-Datei (siehe Internet
), - Atari Emulator (bspw. Hatari oder Steem (der aber bei mir unter Win7 nicht richtig funktionierte)),
- das Programm Romsplit von P. Putnik (lokale Sicherung im Board: ROMSPLIT.ZIP),
- Kreuzschraubendreher zum Öffnen des Ataris,
- Chip Puller oder kleiner Schlitzschraubendreher zum Entfernen der originalen Chips aus den Sockeln,
- Lötkolben und Lötzinn
- Seitenschneider für die "quick & dirty Variante" (nur STE),
- 3 Jumper und 3x Stiftleiste 1x3 (Vierkantstift, Rastermaß 2,543) (nur STE, wenn man die "saubere Variante" wählt),
- Enlötlitze und/oder Entlötpumpe (wenn die TOS-Chips im ST nicht gesockelt sind oder man beim STE die "saubere Variante" bevorzugt),
- Schraubenschlüssel für die Sechskantschrauben an Modem-, Drucker und Festplattenanschluss (nur STE, wenn man den "sauberen Weg" geht),
- ein wenig Litze (nur ST; wenn 32Pin-EPROMS eingesetzt werden sollen),
- "Triple 3-Input AND Gate" 74LS11 (DIP 14), wenn 32Pin-EPROMS eingesetzt werden sollen und U68 auf dem Mainboard unbestückt ist (nur ST),
- passende EPROM-Sockel (nur ST; wenn von Haus aus keine Sockel verbaut wurden)
Und wir beginnen.
Schritt 1 - Eingebautes TOS identifizieren
Zunächst solltet ihr herausfinden, welches TOS in eurem Rechner verbaut ist. Habt ihr bspw. einen STE und euer Bootscreen sieht so aus ...
... verfügt euer Gerät bereits über das offiziell aktuellste TOS und ein Upgrade ist nicht notwendig.
Habt ihr einen ST, müsst ihr nach dem Starten über "DESK" --> "Desktop Info..." schauen, wie das Infofenster aussieht. Habt ihr ein animiertes, regenbogenfarbenes Atari-Logo, sollte eurer Rechner bereits mit dem aktuellsten TOS 1.04 ("Rainbow TOS") ausgestattet sein.
Aber Achtung! Atari hat es aus irgendeinem Grund nie geschafft, die Versionsnummern in den Infoscreen einzufügen. Bei STE-Maschinen kann das regenbogenfarbene Logo bspw. auch für TOS 1.06 oder 1.62 stehen (alle haben genau den gleichen Screen).
Wenn ihr also herausbekommen wollt, welches TOS genau in eurem Rechner verbaut ist, müsst ihr ihn aufschrauben.
Nehmt dazu den Atari vom Strom (ab besten den Ein-/Ausschalter noch 2x im stromlosen Zustand betätigen) und entfernt die 7 Gehäuseschrauben in den runden Aussparungen auf der Unterseite des Gerätes. Die 3 M3-Schrauben in den rechteckigen Löchern (Floppyhalterung) können, falls vorhanden, ebenfalls gleich gelöst werden.
Danach könnt ihr den Atari herumdrehen und die Oberschale abnehmen.
Beim STE müssen jetzt nur noch das Schirmungsblech des Floppy Drives (2 Schrauben) sowie das Laufwerk selbst entfernt werden (IDE- und Powerkabel abziehen).
Beim ST muss hingegen das gesamte obere Schirmungsblech entfernt werden.
Beim STE biete sich euch danach ungefähr dieser Anblick:
Auf den beiden mit "HI" und "LO" markierten TOS-Chips stehen Seriennummern. Mit diesen könnt ihr bspw. über diese Seite oder diese Seite herausbekommen, welches TOS in eurem ST oder STE aktuell installiert ist.
Allerdings sind die Listen nicht vollständig. Meine Nummern (C301179-001A und C301180-001A) sind bspw. nicht gelistet. Ich gehe aber davon aus, dass es sich um TOS 1.62 handelt.
Update:
Alternativ hilft eventuell auch das Programm SysInfo weiter (lokale Sicherung im CiBo: SYSINFO-v8.34.zip). Eine *.st-Variante (bspw. für ein GOTEK-Laufwerk) findet sich bspw. im "Disk-Paket" ModSysInfo2 (lokale Sichering im CiBo: ModSysInfo2.zip).
Schritt 2 - TOS-File splitten und brennen
Wenn ihr festgestellt habt, dass es eine bessere TOS-Version für euer System gibt, macht ihr euch im WWW danach auf die Suche (zur Erinnerung: offiziell aktuellste Version für ST = 1.04; offiziell aktuellste Version für STE = 2.06). Wichtig ist, dass die Datei im *.img-Format vorliegt.
Diese Datei muss nun passend für die EPROMS aufgesplittet werden. Dies funktioniert mit dem Programm "Romsplit", welches aber für die Atari-Umgebung geschrieben wurde und somit auf dem PC nicht sofort ausgeführt werden kann.
Daher muss zuvor noch ein Atari Emulator auf dem PC installiert werden (ich habe mich für "Hatari" entschieden).
Nachdem ihr Hatari auf dem PC installiert habt, entpackt ihr die 3 Dateien aus dem Romsplit-Archiv in einen neuen Ordner und legt ihn bspw. unter C:\ ab (andere Pfade sind natürlich möglich).
Danach kopiert ihr die TOS-Datei (*.img) 1x direkt ins Hatari-Verzeichnis und 1x direkt in den Romsplit-Ordner (auch hier sind andere Pfade möglich).
Führt danach Hatari aus. Den Emulator müssen wir nun konfigurieren. Drückt dazu die Taste F12, um das Hauptmenü aufzurufen.
Um auszuwählen, welche Maschine ihr emulieren wollt, klickt ihr zuerst den Button "System" an. Danach könnt ihr bspw. "ST" oder "STE" wählen (ich habe "STE" gewählt, weil ich meinen STE upgraden möchte).
Klickt nun auf "Back to main menu". Als nächstes wollen wir das TOS für den Emulator auswählen (somit kann man gleich testen, ob die *.img-Datei auch funktioniert
). Klickt dazu auf den Button "ROM". Es öffnet sich folgender Dialog:Klickt bei "TOS setup" auf "Browse" und sucht das gewünschte TOS-File in eurem Hatari-Ordner. Klickt erneut auf "Back to main menu" und wählt nun noch den Button "Hard disks" aus. Klickt bei "GEMDOS drive:" auf "Browse" und sucht euren Romsplit-Ordner (Tipp: Wenn ihr oben rechts auf "Root" klickt, landet ihr gleich auf C:\
).Klickt wieder auf "Back to main menu" und speichert eure Konfiguration, indem ihr "Save config" auswählt.
Im neuen Dialogfenster sollte bereits eine Datei namens "hatari.cfg" existieren und als Pfad sollte der Ordner von Hatari angegeben sein (falls nicht, einfach anlegen). Bestätigt den Dialog mit "OK" und ihr kommt ins Hauptmenü zurück.
Dort wählen wir "Reset machine" aus und bestätigen erneut mit "OK".
Nun dauert es ein klein wenig, bis der Emulator neustartet. Danach solltet ihr den bekannten, grünen Bildschirm sehen (Tipp: Der Memory Test bei TOS 2.06 kann durch das Drücken der Enter-Taste, wie beim "richtigen" Atari, abgebrochen werden.
).Jetzt Maximieren wir das Emulatorfenster zum Vollbild und klicken danach auf den Menüpunkt "Extras" --> "Voreinstellungen...".
Dort stellen wir die Auflösung auf "ST MITTEL" um (falls das nicht schon der Fall ist) und bestätigen auch diesen Dialog mit "OK". Wenn die Auflösung geändert wurde, kann es kurz dauern, bis das System die Umstellung vorgenommen hat (der Bildschirm wird dabei weiß).
Das Ändern der Auflösung auf "ST MITTEL" ist deshalb notwendig, weil man sonst später beim Programm Romsplit nicht alle Optionen im Emulator sehen würde.
Klickt nun das Desktop Icon "HARD DISK" an. Jetzt sollte der Inhalt des Romsplit-Ordners angezeigt werden (das haben wir ja vorher so konfiguriert). Klickt hier doppelt auf die Datei "ROMSPLI2.PRG" und führt das Programm aus.
Links könnt ihr nun unter "Split in:" auswählen, in wie viele Teile eure *.img-Datei zerlegt werden soll (STE immer 2; ST entweder 2 oder 6 --> siehe oben oder Schritt 3).
Auf der rechten Seite könnt ihr über "LOAD IMAGE FILE" eure TOS-Datei im Romsplit-Ordner auswählen.
Bestätigt den Dialog danach mit "OK". Falls ihr TOS 2.06 verwenden wollt (nur STE), solltet ihr zur Sicherheit noch auf "Fix CRC for TOS 2.06" klicken.
Klickt danach auf "SPLIT !" und dann auf "E X I T".
Das Programm Romsplit wird beendet und anschließend solltet ihr auf eurem PC im Romsplit-Ordner die gesplitteten Dateien finden. Im Beispiel sind "TOS206DE.HI" und " TOS206DE.DE" zu sehen.
Schließt jetzt den Emulator, indem ihr bspw. die Taste F12 drückt und dort "Quit" auswählt.
Danach könnt ihr die gesplitteten Dateien mit dem Programmer eurer Wahl direkt auf die EPROMS brennen. Markiert aber unbedingt, welcher Chip welchen Teil enthält, damit ihr sie später auch an der richtigen Stelle im Atari einsetzen könnt.
Schritt 3 - EPROMS im Atari einsetzen
Atari STE
Wenn ihr beim Atari STE bereits nachgeschaut habt, welche Seriennummern auf den TOS-Chips stehen (siehe Schritt 1), könntet ihr theoretisch gleich die Chips austauschen. Je nach verwendeten EPROMS müssen aber noch die Jumperpads "W102", "W103" und "W104" angepasst werden.
Quelle: matsp888.no-ip.org/~mats/Text/…20Guide/html/inst_ste.htm
Dies kann man "quick & dirty" erledigen, indem man die "Pseudowiderstände", welche nur als Jumper dienen, mit einem Seitenschneider abknipst und die entsprechenden Lötpunkte mit Lötzinn brückt.
Vergesst beim Herausnehmen der riginalen TOS-Chips nicht, euch deren Positionen ("HI" oder "LO") zu markieren, damit ihr sie eventuell später wiederverwenden könnt!
Wenn ihr HD-Floppylaufwerke verwenden möchtet, müsst ihr noch eine Lötbrücke bei "E6" setzen (grüne Markierung).
Ich wollte aber eine "saubere Lösung" mit Stiftleisten und entsprechenden Jumpern, weshalb ich den etwas längeren Weg gegangen bin.
Dazu muss der STE zunächst weiter demontiert werden.
Entfernt die Tastatur, indem ihr vorsichtig den Stecker vom Mainboard abzieht.
Als nächstes ist das Schirmungsblech über dem Netzteil (ACHTUNG Hochspannung!) an der Reihe. "Begradigt" vorsichtig die 2 Metallhaken und löst die 3 schwarzen und 4 silbernen Schrauben. Danach könnt ihr das Blech abnehmen.
Entfernt nun die 4 Schrauben, die von der Tastatur verdeckt wurden (inklusive dem ganz kleinen Schirmungsblech).
Jetzt löst ihr die 2 Schrauben, die das Netzteil inklusive "Traverse" auf dem Mainboard halten (siehe grüne Markierungen) und zieht die Steckerverbindung zum Mainboard ab. Die 4 Schrauben von der Netzteilplatine müssen nicht zwingend gelöst werden!
Jetzt könnt ihr das Innenleben des Ataris an der "Tastaturseite" vorsichtig nach oben kippen und aus der unteren Gehäuseschale nehmen.
Nun müsst ihr die insgesamt 6 Sechskantschrauben vom Modem-, Drucker- und Festplattenanschluss auf der Rückseite lösen und danach das glänzende Blech vorsichtig abziehen.
Löst zudem die 2 Schrauben vom Netzstecker.
Zum Schluss müsst ihr noch die 10 Metallhaken bei den Schirmungsblechen vorsichtig "begradigen". Dann könnt ihr das obere, große Blech abnehmen und das Mainboard vom unteren Blech trennen.
Über die Unterseite des Mainboards könnt ihr jetzt problemlos die "Pseudowiderstände" bei den Jumperpads auslöten, die Jumperpads von Lötzinn befreien und anschließend die drei 1x3 Stiftleisten einlöten.
Die "saubere Variante" bietet zudem den Vorteil, dass man einfacher an die originalen TOS-Chips herankommt und sie vorsichtig mit einem schmalen Schlitzschraubendreher aus den Sockeln hebeln kann.
Vergesst vor dem Zusammenbau nicht, die Jumper (siehe oben) zu setzen und gleich noch die Lötbrücke bei "E6" (siehe "quick & dirty Variante") zu setzen, wenn ihr HD-Floppys verwenden wollt.
Ist alles erledigt, könnt ihr den Atari STE wieder ins Gehäuse setzen und einen Testlauf starten.
Funktioniert alles, könnt ihr ihn wieder verschließen.
Übrigens: Solltet ihr keinen HD-Floppy-Support haben wollen und euer DD-Laufwerk hört sich jetzt seltsam an, könnt ihr bspw. das Programm "HD_FDC" (lokale Sicherung im Board: hd_fdc.zip) oder "Setseek" (lokale Sicherung im Board: setseek.zip) im "Auto-Ordner" ablegen. Somit wird die Standard-Schrittrate von TOS 2.06 (6ms) wieder auf den ursprünglichen Wert von 3ms zurückgesetzt.
Fertig!
Atari ST
Beim Atari ST muss das obere, große Schirmungsblech entfernt werden, um an die TOS-Chips zu gelangen. Die Demontage verläuft ähnlich wie beim STE. Sollten die originalen TOS-Bausteine nicht gesockelt sein oder der Chip bei U68 fehlen (siehe unten), muss man auch hier an die Unterseite ran, um die TOS-Chips auslöten und/oder das "Triple 3-Input AND Gate" einsetzen zu können. Ansonste spielt sich alles auf der Oberseite des Boards ab.
Wie eingangs bereits erwähnt, können in ST-Geräten, bei denen die TOS-Steckplätze in einer Reihe angeordnet sind, auch 32Pin-EPROMS in die 28Pin-Sockel gesteckt werden (Bei ST-Maschinen, bei denen die Steckplätze in einer 2x3-Anordnung vorhanden sind, bin ich mir, wie gesagt, nicht sicher, weshalb ich hier eher die Verwendung von 6 konventionellen 28Pin-EPROMS 256 Kbit (32K x 8 ) empfehlen würde.).
Allerdings müssen dazu die 32Pin-EPROMS, wie in der folgenden Grafik zu sehen, mit ein wenig Lötlitze anders verschaltet und entsprechend im Atari eingesetzt werden:
Sollten zuvor in den 6 Steckplätzen tatsächlich 6 originale TOS-Bausteine vorhanden gewesen sein (meistens sind es aber nur 2), müssen die 3 Jumperpads "A16", "A17" und "CE" ("CE" ist neben der quadratischen "Memory-Management-Unit" U56 oder auf dem Board links unten neben U68 zu finden) von "256K" auf "1M" umgelötet werden (vergesst nicht, euch die Positionen der originalen Chips zu markieren, damit ihr sie eventuell später wiederverwenden könnt!).
Des Weiteren sollte dann auch ein Chip bei U68 (neben der "Memory-Management-Unit", oder links unten auf dem Mainboard) vorhanden sein. Ist dies nicht der Fall, muss auf diesem Platz zusätzlich noch ein "Triple 3-Input AND Gate" 74LS11 (DIP 14) eingelötet werden.
Wie gesagt, alternativ können auch einfach sechs 28Pin-EPROMS verwendet werden. Dabei ist lediglich darauf zu achten, dass bei allen 3 Jumpern die Lötbrücke auf 256K liegt.
Nach dem Umbau könnt ihr euren ST ggf. wieder zurück ins Gehäuse setzen und einen Testlauf starten.
Funktioniert alles, könnt ihr ihn wieder verschließen.
(Auch) Fertig!
Bei Fragen etc. schreibt einfach ins Forum ...

Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal editiert, zuletzt von n00b ()

